Anatomie deiner Präsenz: das Nervensystem

1024 538 Svetlana Leiber

Der Schlüssel zu deiner tiefen Heilung, zu der Entfaltung deines Potentials und der Verkörperung deiner Essenz liegt in deinem Körper.
In deinem Nervensystem.
Genauer gesagt: in der REGULATION deines Nervensystems.
Alle übrigen Körpersysteme bauen auf der Funktion des Nervensystems auf – so auch das Immunsystem, das Hormonsystem, das Kreislaufsystem, das Verdauungssystem und das Lymphsystem.

Was wir als physische oder mentale Krankheiten diagnostizieren, z. B. Migräne, Verdauungsbeschwerden, Lebensmittelunverträglichkeiten, Fibromyralgie, Depressionen, Anorexie und andere Essstörungen, die meisten Süchte, Schlafstörungen, AD(H)S, Arthritis und Arthrose und teils sogar Krebserkrankungen sind an der Basis allesamt Symptome eines dysregulierten Nervensystems, in dem chronischer Stress gehalten wird.

Woher kommt der Stress?

Dieser Stress kann schon von deinen Vorfahren stammen (Transgenerationentrauma) oder in der Gebärmutter entstanden sein, als deine Mutter mit dir schwanger war. Er kann bei deiner Geburt oder in deinen ersten Lebensjahren entstanden sein, als das sensible Nervensystem sich fertig ausgebildet hat.

Spätere traumatische Ereignisse bringen das Nervensystem und alles, was physiologisch daran gebunden ist, ebenso aus dem Takt. Viele meiner Klienten sagen: «Aber ich habe gar kein Trauma erlebt. Ich hatte eine wunderbare Kindheit!» Aber toxischer, chronischer Stress im Nervensystem ist nicht immer die Folge von Unfällen, Gewalt, von Krieg oder Missbrauch. Er kann entstanden sein durch eine unsichere Bindung oder nicht genug Zuwendung und Präsenz von den Bezugspersonen, durch Eheprobleme der Eltern oder ein Geschwister, das eifersüchtig ist und dich plagt, aber auch unsere ganz «normalen» kulturellen Bedingungen.

Zum Beispiel das oft übliche «Schlaftraining» und Schreienlassen («Stärkt die Lungen!»), gefüttert werden, wenn du eigentlich satt bist («Du bleibst sitzen, bis der Teller leer ist!»), und die eigene überbordende Lebenskraft, Freude, Kreativität, Verrücktheit zurückhalten zu müssen («Kinder sollte man sehen, aber nicht hören!»). All das führt dazu, dass du dir selbst und den Impulsen deines Körpers oft auch dann nicht vertraust, selbst wenn du sie klar wahrnimmst.

Das Nervensystem heilt nicht von allein

Im Gegensatz zu einem gebrochenen Knochen, der einmal fixiert wird und dann von allein heilt, braucht es eine fundierte und kontinuierliche Praxis, um das Nervensystem aus dem chronischen Stress, aus der Erstarrung oder der Dysregulation zu befreien.

Es braucht Zeit, einen soliden inneren Container aufzubauen, damit das Körpersystem auch intensive Energien (z. B. Gefühle wie intensive Wut oder den Ekel toxischer Scham) aushalten, prozessieren und vor allem integrieren kann – ohne dass man das «Toleranzfenster» innerlich sprengt und dadurch eine Re-Traumatisierung oder Fragmentation herbeiführt, wie das bei so vielen kathartischen Praktiken üblich ist.

«WE ARE THE FIRST SYSTEM
WE MUST LEARN TO MANAGE.»

__ STUART HELLER

Glücklichsein aushalten können

Was wir gerne vergessen: Es braucht vor allem auch ein reguliertes Nervensystem, um mit jener Intensität umzugehen, die uns Lebendigkeit, Lebenssinn und tief empfundenes Glück schenken: Freude und Glückseligkeit, Lust und Ekstase, Reichtum und Fülle, Offenheit und Liebe – es sind alles Seinsqualitäten, die mit einer enorm hohen Energie im Körper einhergehen.

Und sosehr wir uns all dies für uns wünschen, so sehr verhindern wir es bewusst und unbewusst – schlicht, weil unser Körpersystem mit dieser überbordenden Fülle und Intensität nicht umgehen kann. Überfülle kann uns körperliche Angst machen («Ich werde energetisch überwältigt!») oder uns mental verwirren («Was soll ich nur essen? Welches Seminar buchen? Welchen Blog lesen?»).

In dir ein solides Fundament aufbauen

In meiner Arbeit geht es nicht darum, alten Schmerz, Ohnmacht, unterdrückte Wut oder toxische Scham in einer Endlosschleife durchzufühlen. Es geht darum, dass du dir sorgsam ein stabiles Fundament aufbaust, sodass du alte und gestaute Energie in Bewegung bringen und in deine Ganzheit integrieren kannst.

So wird Raum in dir frei für Neues, für deine natürliche Lebendigkeit und strömende Lebenskraft, für dein Potential und deine Essenz. Dies erlaubt dir, deinen inneren Kompass wiederzufinden oder noch feiner einzustellen, sodass du dich sicher durch die Fülle des Lebens navigieren und den Mangel und die chronische Unzufriedenheit des Egos hinter dir lassen kannst.

In deiner Essenz bist du Raum

Das bedeutet nicht, dass du als Coach, Therapeut, als Leaderin oder als Künstler auf der Bühne immer perfekt und allzeit reguliert sein musst, aber es bedeutet, dass du weißt, wie du dich innerhalb kürzester Zeit wieder in einen regulierten Zustand bringst, sodass du Zugang zu dir und deinen Ressourcen hast, damit dein Frontalhirn funktioniert und du offen und in Verbindung mit deinem Gegenüber bleiben kannst, anstatt in die Reaktivismen von Kampf, Flucht oder Erstarrung zu gehen.

Wir wissen aus der Forschung, dass das Resultat einer Coaching-Session, eines Meetings oder einer Performance aufs Engste verbunden ist mit dem inneren Zustand der Leaderin oder des Künstlers.

Es ist vielleicht das größte Geschenk für einen anderen Menschen, wenn du mit deiner Präsenz einen weiten freien Raum aufspannst:

«You learn to love the mess of your life, its constantly changing nature, its unpredictability. And you stand as the immutable silence in the midst of the storm, the wide open space in which joy and pain, ecstasy and agony, boredom and bliss, can arise and subside like waves in the ocean. There are no problems when you know yourself as the space for it all.»

__ Jeff Foster

(Photo Credit: Noell Oszvald)

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