Alive: Embodied Nature

1024 538 Svetlana Leiber
Die unsichtbare Harmonie im Chaos

Auf die zyklischen Kräfte der Natur ist Verlass: Der Spätherbst wurde pünktlich vom Winter abgelöst, und die Schneeflocken wirbeln in einem großen und absolut harmonischen, doch für das Auge und den Verstand chaotischen Tanz vom Himmel. Scheinbar genauso chaotisch tanzt auch das Virus noch mit uns, denn es kann seine Gestalt ebenso virtuos wandeln wie es sonst nur ein sehr erfahrener Schamane und Shapeshifter vermag. Es erscheint uns deshalb als chaotisch, weil es keiner offensichtlichen Ordnung folgt, die vom analytischen Verstand erkannt und «unter Kontrolle» gebracht werden könnte. So dürfen wir erleben, dass es insgesamt etwa 1 Gramm Virus (so irgendwelche wissenschaftlichen Berechnungen) gelingt, die gesamte Menschheit in die Knie zu zwingen, und wir erleben auch, dass ein Mehr an Kontrolle nicht zwingend mit dem Empfinden von mehr Sicherheit einhergeht – wohl aber mit einem Weniger an Lebendigkeit, Lebensfreude und Lebenskraft.

Wenn die natürliche Lebenskraft uns durchströmt, sind wir verbunden mit allem Leben und «eingeklinkt» ins Web of Life: Dann fühlen wir das Leben, wir spüren die umfassende Intelligenz des Lebens, die am Werke, ist und wir fühlen die unsichtbare Ordnung und die sich entfaltende Harmonie im Chaos, die das Auge deshalb (noch) nicht finden kann, weil es nur den Ist-Zustand beobachtet und diese Wahrnehmung des Manifesten absolut begrenzt ist. Doch wie essenziell unsere reine und ursprüngliche Lebenskraft ist, die uns alle durchdringt und animiert, merken wir oft erst dann, wenn sie fehlt – das heißt, wenn in unserem Körper entweder zu wenig Vitalität vorhanden ist, wenn die Lebenskraft nicht mehr frei fließt und sich dann in verschiedenen Körperbereichen als Schmerz, als Druck oder Dichte staut, oder aber wenn sie verzerrt, nervös und chaotisch ist. Dann sind wir unruhig und rastlos, verfallen in unnötigen Aktionismus und kommen auch dann nicht mehr zur Ruhe, wenn das Tagwerk erledigt ist und wir uns eigentlich entspannen und unser Sein genießen könnten.

Alles Leben ist Bewegung

Diese Zustandsformen von Lebensenergie gehen mit verschiedenen körperlichen, emotionalen oder mentalen Symptomen einher: Wenn die Energie eingefroren oder gestaut ist, fühlen wir uns starr und taub, emotional lustlos oder geistig gelangweilt, verstimmt bis depressiv und oft wie abgeschnitten vom Lebensfluss, von anderen Menschen und dem gegenwärtigen Moment. Es ist dies der Zustand, wenn im Körper der Erstarrungsinstinkt (Freeze) aktiviert ist, der den Fluss der Lebensenergie auf ein Minimum reduziert, indem bestimmte Bereiche im Körper angespannt und Strukturen wie Muskeln und Faszien kontrahiert werden. Unser vitaler «Lebenssaft» zieht sich zum Schutz in unseren innersten Kern zurück, und oftmals dissoziieren wir dabei auch – das bedeutet, dass unser Bewusstsein aus dem Körper weicht, damit wir nicht bewusst mitbekommen, was mit uns geschieht. Wir schweben dann wie über den Dingen, stehen gefühlt neben uns (bzw. neben den berühmten Schuhen) und nehmen die Welt nur noch über das Mentale wahr.

Das bedeutet, dass wir vor allem «im Kopf» sind, nur dass dieser Kopf leider nicht klar und fokussiert ist, sondern verwirrt, nebelig, unruhig oder vollkommen blockiert. Jeder von uns, der in einer Prüfungssituation oder bei einer Konfrontation schon das berühmte Blackout erlebt hat, kennt diesen Zustand: Wir werden starr und stocksteif und bringen kein Wort oder keinen klugen Gedanken heraus; wir können das sauber Erlernte und unser tatsächliches Potential nicht abrufen oder so schlagfertig und souverän kontern, wie das Stunden später des Nachts im Bett auf einmal wieder möglich wäre. Denn wenn wir im Instinktmodus des Freeze sind, werden die Energie und das Blut auch aus unserem Frontalhirn abgezogen und die Funktionen und Prozesse der höheren Hirnanteile auf ein absolutes Minimum reduziert. Fokussiertes, klares und lösungsorientiertes Denken braucht nicht nur zu viel Energie, sondern ist auch zu langsam, um in brisanten Situationen unser Leben zu retten. Es werden tiefere und unbewusste Schichten in uns aktiviert, die das Gedächtnis der gesamten Evolution in sich tragen und das Wissen, wie man überlebt.

All dies passiert wundersamerweise automatisch und in akuten Situationen nur ganz kurz, zum Beispiel dann, wenn wir uns erschrecken. Wenn wir erkennen, dass es keine Bedrohung gibt (d. h. die natürliche «Orientierungsreaktion» erfolgt), beruhigt sich der Körper schnell wieder und findet von selbst aus der Stress-Physiologie. Doch manchmal kommen wir aus diesem Zustand der Starre, des inneren Einfrierens und Dissoziierens nicht wieder heraus – zum einen, weil wir nicht gelernt haben, bewusst mit unseren archaischen Überlebensinstinkten zu sein und mit den oft intensiven, beängstigenden Körperreaktionen umzugehen. Zum anderen, weil wir in der Regel den ganz natürlichen Prozess unterdrücken, mit dem der Körper die Erstarrungsreaktion löst und die hohe Ladung an Energie integriert, die darunter liegt. Dadurch verlieren wir gleich doppelt an Lebenskraft: Zum einen, weil unsere Life Force Energy in der Starre förmlich gebunden ist, zum anderen, weil das Unterdrücken der Integration wiederum eine Leistung der höheren Hirnanteile ist, die zusätzlich unendlich viel Energie braucht. Dieser Zustand kann sich chronifizieren und sogar zu einem gewohnheitsmäßig aktivierten Lebensmodus werden, zu einer Art Alltagstrance.

Überleben in der «Müdigkeitsgesellschaft»

Diese evolutionär älteste Instinktreaktion des Freeze wird vom sogenannten Reptilienhirn gesteuert und ist dafür gedacht, unser Überleben dadurch zu sichern, dass wir energetisch unsichtbar werden – unsichtbar deshalb, weil kaum noch Lebensenergie in uns und durch uns hindurch fließt.** Für das hungrige Raubtier, das vor allem auf Bewegungen reagiert, erscheinen wir in diesem Erstarrungszustand wie tot und sind deshalb keine attraktive Beute. Für uns als «Opfer» ist ein weiterer Vorteil neben dem Nicht-Gefressen-Werden: Wir spüren uns nicht. Wir fühlen keine Angst und auch keinen Schmerz, falls wir doch etwas abkriegen. Der Nachteil dieser Erstarrungsreaktion ist jedoch: Wir spüren uns nicht. Wir funktionieren zwar im Alltag oft wie gut geölte Maschinen, fühlen uns aber nicht lebendig und frei, neugierig, vital und wahrhaftig anwesend in unserem Leben. (In unserem Alltagsleben als Kulturmenschen kann das «Raubtier» auch unser Chef sein oder ein dräuendes Projekt, das fertiggestellt werden muss.)

Der Philosoph Byung-Chul Han hat diesen Funktionsmodus, der in den Neurowissenschaften auch als Functional Freeze bezeichnet wird, in seinem Essay MÜDIGKEITSGESELLSCHAFT (HAN, 2010) pointiert beschrieben: «Wir sind zu lebendig, um tot zu sein – und zu tot, um lebendig zu sein.» Han, ursprünglich aus Südkorea stammend, weiß sehr gut, wovon er spricht: Wie in vielen asiatischen Ländern wird durch frühe Konditionierungen und oftmals harten Drill jede spontane Lebendigkeit unterdrückt und das Körpersystem konstant in einem sehr funktionellen Zustand gehalten. Das heißt, die Menschen werden auf eine innere energetische Flatline getrimmt, die gerade so viel Kraft zulässt, um PRODUKTIV zu sein, aber nicht genug, um wirklich KREATIV zu sein – geschweige denn, um die innere Erstarrung zu schmelzen oder diesen Zustand zu durchbrechen. Ich erlaube mir zu behaupten, dass dies durchaus bewusst geschieht, denn nur Menschen, die ihrer Lebenskraft beraubt werden (zu denen auch die vitalen Ströme EROS und RAGE, die Sexualkraft und die Wutkraft als Ausdrucksformen gehören), sind kontrollierbar, manipulierbar und können in lähmende Angst versetzt werden: Sie sind von der Kraft ihrer Essenz getrennt.

Mit natürlicher Lebendigkeit inspirieren

Doch auch bei uns im Westen und in den übrigen Industrieländern ist der Functional Freeze beinahe der Normalzustand geworden; so normal, dass wir oft gar nichts anderes mehr kennen und unsere vielfältigen Symptome – von fehlender Lebensfreude und einem Mangel an Kreativität, Innovationsfreude und Risikobereitschaft über Migräne, dem allgegenwärtigen Burnout-Syndrom und Depressionen bis hin zu Autoimmunerkrankungen – gar nicht in den Zusammenhang damit bringen, dass unsere natürliche Lebenskraft gestaut und blockiert ist. In meiner Arbeit mit Coaches, Therapeutinnen und Trainern, mit Führungspersonen, Unternehmerinnen und allen Menschen, die als Leader oder Künstler auf und neben der Bühne (und vor allem im Leben) stehen, arbeite ich deshalb immer zuerst am bewussten Umgang mit den Überlebensinstinkten und an der Befreiung der Lebenskraft. – Warum?

Wir können andere Menschen nicht mit unserem Sein, mit unseren Ideen und Visionen begeistern und bewegen, wenn bei uns selbst die Lebensenergie nicht frei fließt. Wir können sie zwar mit verschiedenen Maßnahmen dazu MOTIVIEREN, das zu tun, was sie sollen oder was wir von ihnen wollen, aber wir können sie nicht INSPIRIEREN. In unserer «Müdigkeitsgesellschaft» ist es Usus geworden, diese ursprüngliche Lebenskraft künstlich zu erzeugen, indem wir uns in einen adrenalingetriebenen Zustand pushen oder sie mit emotionaler oder mentaler Intensität zu imitieren versuchen. Doch als Human Animals, als «menschliche Tiere» mit einem hohen Instinktquotienten, spüren wir das Unechte, das Überdrehte und Oberflächliche unmittelbar, weil es uns nicht wirklich und in der Tiefe berührt. Wir selbst berühren uns nicht mehr in der Tiefe, weil wir den Zugang und die Verbindung zu unserer Essenz nur über einen Körper finden, der im Receptive-Mode ist, das heißt im Zustand des Empfanges – und nicht im Modus der Verteidigung.

Workshop-Zyklus ALIVE: EMBODIED NATURE

Wieder durch und durch lebendig werden – das chaotische, wilde und harmonische Leben wagen – der organischen Intelligenz des Lebens vertrauen: Genau dazu lade ich dich ein in meinem Workshop-Zyklus ALIVE: EMBODIED NATURE. Wir werden an drei Sonntagen (19.12.2021 | 23.01.2022 | 27.02.2022) von jeweils 17:00 Uhr bis ca. 19:30 Uhr zusammen online via Zoom arbeiten. In jedem der drei Module – STILLNESS, FLOW & EXPANSION – werden wir mit deiner Lebensenergie arbeiten und mehr von deiner natürlichen Lebendigkeit und Kraft freilegen; es gibt kurze Inputblöcke, praktische Übungen, Raum für Fragen und Antworten und vieles mehr.

Ich werde dir zeigen, wie du dich in Akutsituationen aus dem jeweils aktivierten Überlebensinstinkt lösen kannst, sodass du nicht von diesen Automatismen gesteuert wirst, wenn du in einem wichtigen Meeting bist, einen Auftritt hast oder wenn die Schwiegermutter an Weihnachten zu Besuch ist. Ich zeige dir auch, wie du deinen Körper von alten Spannungsmustern befreist und chronischen Survival-Stress aus deinem System entlässt, der deine Lebenskraft blockiert. Und zuletzt, wie du damit umgehst, wenn dein Gegenüber sich in einem solchen Zustand befindet und du es mit deinem Körper und deiner Präsenz aus der Starre in die Lebendigkeit einladen willst – ganz ohne Worte, Ratschläge oder Erklärungen. Einfach dadurch, dass du im Moment bewusst. lebendig. bist.

Der Workshop-Zyklus ist ein Basisangebot und gehört zu den EMBODIMENT FUNDAMENTALS; es braucht daher keinerlei Vorkenntnisse. Ich freue mich aber sehr, wenn du wach bist und neugierig darauf, den Strom des Lebens in dir tiefer zu erforschen und Freude hast am gemeinsamen kreativen Spiel! Weitere Informationen zum Kurs sowie den Button zur Anmeldung findest du hier auf meiner Website.

Sei herzlich willkommen auf dieser Reise ins Jahr des Tigers 2022; möge es wild werden und lebendig, frei und ungezähmt, kreativ und authentisch, exquisit und sinnlich, kraftvoll und aufrichtend!

In Love with Life,
Svetlana

PS: 🐅 Inspiration zum Hören und Tanzen vorab: KATY PERRYS «Roar».

 

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** Die Krux ist, dass wir im Leben und für andere Menschen auf eine Art auch wirklich unsichtbar sind, wenn wir in einem solchen Freeze-Zustand stecken: Viele Menschen, die das Gefühl haben, sie werden nicht wirklich gesehen, von anderen wahrgenommen oder aber andauernd übergangen (das kann körperlich sein etwa durch Anrempeln auf der Straße, in einem Meeting bei Wortmeldungen, die ignoriert werden oder z. B. als Künstler:innen in ihrem Potential) kommen zu mir ins Mentoring mit Hunderttausend Theorien im Kopf, warum sie ihr Potential «nicht auf die Straße» bringen können. Die meisten haben sich ein Narrativ aus vielen Geschichten gebastelt, ohne zu wissen, dass es auf der tiefsten Ebene im System klemmt – auf der Instinktebene. Gutgemeinte Ratschläge von Freunden und Bekannten wie «du musst dich halt einfach mal zeigen» nützen da ebenso wenig, wie die fehlende Präsenz von Energie (= Essenz) über Effort und Handlungen zu kompensieren: Bis zu einem gewissen Grad kann ich mit 1000 Posts auf den Sozialen Medien vielleicht REICHWEITE erzeugen – aber niemals echte RESONANZ wecken.

 

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